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Leogang World Cup Recap

Niemand hat behauptet, dass Downhill-Racing einfach ist. Mal ist das Glück auf deiner Seite, mal ist genau das Gegenteil der Fall. Inzwischen fühlt es sich manchmal schon so an, als wäre es ewig her, dass wir unser Downhill-Projekt gestartet haben. Dabei ist es leicht zu vergessen, dass wir erst beim dritten Worldcup-Rennen sind und die Lernkurve noch immer steil ist. Beim Stopp in Leogang hatten wir irgendwie gleichzeitig Glück und Pec. Aber eins ist gewiss: Wir geben weiter alles und lieben jeden Moment unseres “Project Downhill”.

Der Worldcup-Stop in Leogang wird gerne mal als “Bikepark-Rennen” bezeichnet. Das war früher vielleicht zutreffend, aber heute ist es ganz sicher nicht mehr so. Die Abfahrt ist knifflig, eng und technisch und auch die Abschnitte, die dem Bikepark-Klischee am ehesten entsprechen, haben es absolut in sich. Mit fast 70 km/h so exakt wie möglich über Sprünge zu schießen ist kein Spaß. Die Strecke besteht aus zwei Hälften: Oben eng und verwinkelt, unten steil und technisch. Besonders der zur Weltmeisterschaft 2020 eingeführte Wald-Abschnitt voller Wurzeln mit dem vielsagenden Namen “Vali’s Hölle” ist ziemlich crazy. Alle paar Meter ändert sich der Speed der Strecke: Eher flache High-Speed-Abschnitte wechselt sich ab mit technischen Schlüsselstellen, die deutlich langsamer gefahren werden müssen. Jeder noch so kleine Fehler in diesen Sektionen wird spätestens beim nächsten High-Speed-Stück bestraft, indem es dort dann an Geschwindigkeit fehlt.

Glücklicherweise war der Worldcup nicht der erste Besuch unseres Teams in Leogang. Doch auch wenn man die Strecke schon kennt, bleibt sie absolut anspruchsvoll. Und das auch ganz ohne das unbeständige Wetter, das im Frühsommer oft in den Alpen herrscht.

Leider haben es gar nicht erst alle unsere Teamfahrer nach Leogang geschafft: Luke und Ryan haben auf dem Hinweg einen Zwischenstopp in der Schweiz eingelegt um ein paar Runden zu drehen und ein paar neue Setups an den Bikes zu testen. Nachdem Ryan einen Tag auf den berühmten Anliegern von Morgins verbrachte, sollte es - sobald Luke und sein Vater Francis dazugekommen waren - weiter nach Champery gehen. Doch wie schon erwähnt ist das Wetter in den Alpen um diese Jahreszeit herum oft ganz schön wild und so startete der Tag mit einem heftigen Gewitter. Allerdings sind unsere Jungs aus Großbritannien bekanntlich nicht aus Zucker und so ließen sie sich nicht davon abhalten, ihre Runden auf der legendären Abfahrt von Champery zu drehen. Definitiv die richtige Entscheidung, denn im Laufe des Tages kam die Sonne wieder raus und die Strecke trocknete rasch ab. Weit weniger wechselhaft als die herrschenden Bedingungen war aber eins: Lukes schier unbändiger Speed. Anscheinend kennt sein Bike nur zwei Gänge: Aus und Vollgas.

In einem der vielen Anlieger passierte es dann: Sein Vorderrad rutschte oben aus dem Anlieger und katapultierte sein Bike meterweit den Berg hinab und ihn selbst kopfüber in den nächsten Anlieger. Natürlich haben wir ihn sofort eingesammelt und so schnell es ging ins Krankenhaus gebracht. Nach einer gründlichen Untersuchung kamen die Ärzte dort zu dem Schluss, dass körperlich alles in Ordnung sei. Der Umstand, dass Luke sich nicht mehr an alles erinnern konnte, beunruhigte sie so sehr, dass sie ihn über Nacht zur Kontrolle da behielten, sicher ist sicher. Es ist ein komisches Gefühl, mit ihm zusammenzusitzen während er alle paar Stunden die gleichen Fragen stellte - beim Sturz wurde sein Hirn auf jeden Fall gut durchgeschüttelt.

Wenig verwunderlich beschlossen Luke und Francis, zurück nach Großbritannien zu fahren um sich dort voll und ganze auf seine Genesung zu konzentrieren. Bei Gehirnerschütterungen ist es immer besonders schwierig zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um bedenkenlos wieder Gas geben zu können. Aber Luke geht das Ganze absolut diszipliniert und konsequent an und versteht es gut, auf seinen Körper zu hören. Auf eine schnelle, und vor allem vollständige Genesung, Kumpel! Du hast noch jede Menge Karriere vor dir, auch wenn es aus deiner Perspektive gerade nicht unbedingt danach aussieht. Ich wünsche dir, dass du schon bald wieder am Start sein kannst und bin sicher, dass du stärker zurückkommen wirst, als du je warst!

Zurück zum Worldcup. Als wir in Leogang ankamen, wurden wir mit starkem Regen begrüßt. Vielleicht kein Wunder, schließlich hieß selbst der Ort unserer Unterkunft “Rain”. Das Zelt in der Pit-Area aufbauen ist bei dem Wetter kein wirklicher Spaß. Zum Glück ist unseres noch nicht ganz so riesig, wie das von manch anderen Teams und so stand unsere Basis für die Woche dann trotz des Regens recht schnell. Beim zugewiesenen Standort hatten wir Glück: Wir fanden uns mitten in all der großen Teams und konnten so die Woche damit verbringen, auf einstellige Startnummern zu starren. Vielleicht sahen sie uns alle an und dachten sich, “Wer zum Teufel sind diese Typen?”. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß.

Die ersten Tage verbrachten wir damit, die Bikes komplett zu zerlegen und neu aufzubauen. Eine gute Gelegenheit, zu analysieren, wie Rahmen und Komponenten die mehr als drei Monate, die seit unserem ersten Teamcamp in Portugal vergangen waren, überstanden hatten. Regelmäßige Renneinsätze und unzählige Trainingsruns stellen immense Anforderungen an das Material. Gleichzeitig müssen die Bikes für jedes Worldcup-Rennen immer Top in Schuss sein. Deswegen warten oder tauschen wir Komponenten immer lange bevor es im regulären Alltagseinsatz oder bei Hobby-Piloten notwendig wäre. Beim Wiederaufbauen der Bikes haben wir ihnen nicht nur frische Lager spendiert sondern auch den Reach, die Kettenstrebenlänge und die Laufradgröße an die Strecke angepasst.

Während dem Trackwalk gönnte uns das Wetter eine Pause und es kam sogar die Sonne raus - exakt lang genug, dass jeder sich einen Sonnenbrand holen konnte, bevor man wieder in die Regenjacken rausholen musste. Unabhängig vom Wetter muss man beim Trackwalk aufpassen, sich nicht in den kleinteiligen Details der Strecke zu verlieren und sich zu lange mit einzelnen Wurzeln oder Steinen beschäftigen, die man während der Fahrt gar nicht unbedingt wahrnimmt. Insgesamt hat die Strecke einen sehr engen und kniffligen Charakter. Es waren ein paar neue Abschnitte abgesteckt, um die UCI zufriedenzustellen, doch im Großen und Ganzen gab es keine nennenswerten Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr. Durch den vielen Regen war die Strecke sehr weich. Eine aufgeweichte Strecke bedeutet, dass das Lernen der Strecke keine einmalige Angelegenheit ist, die man beim Trackwalk kurz abhakt. Stattdessen gilt es, die ganze Woche genau zu beobachten, wie sich die Strecke verändert, welche Linien entstehen, wegfallen oder schneller werden, während Tausende Reifenpaare den Boden zerfetzen.

Nach einem wunderbaren Abendessen mit dem gesamtem Team auf dem sonnigen Balkon (ausgerichtet durch unseren teaminternen Catering Service “Roy Brannen’s Cooking LTD”) ging es am nächsten Tage - bei Regen - auf zum Training. Jeder Racer weiß, wie schwierig es sein kann, bei Dauerregen nicht nur konstant hochkonzentriert zu sein, sondern auch motiviert. Aber da unser Team aus Großbritannien kommt, sind alle Fahrer erfahrene Schlechtwetter-Piloten. Statt also nur pflichtbewusst ihren Job zu machen, hatten sie sichtlich und hörbar Spaß daran, eine Abfahrt nach der anderen zu absolvieren. Nach jedem Run erkannte man Bikes und Fahrer unter der dicken Schlammschicht fast nicht wieder, bis jeweils mit dem Hochdruckreiniger wieder klare Sicht geschaffen wurde. Besonders an solchen Tagen sind wir froh, auch beim Downhill-Bike auf aufwendig gedichtete Lager und ein Rahmendesign ohne Winkel und Ecken, in denen sich Schlamm sammeln kann, gesetzt zu haben. Ich beneide die Teams überhaupt nicht, bei denen die Bikes nach jeder Abfahrt mehr oder weniger zerlegt werden müssen, um sämtlichen Schlamm zu entfernen. Unsere DH-Bikes kämpften sich den ganzen Tag unbeeindruckt durch den Schlamm, was mir als Race-Engineer ein wahrscheinlich ebenso großes Grinsen ins Gesicht zauberte, wie den Fahrern.

Es war interessant zu sehen, wie sich die Streckenbedingungen innerhalb von nur fünf Runs veränderten. Das Feedback unserer Fahrer entwickelte sich von “richtig geile Strecke” über “so langsam wirds knifflig” bis zu “verdammt, das ist hart!”. Mit jedem Fahrer wurde die Strecke zerwühlter, es kamen immer mehr Löcher zum Vorschein und schon nach kurzer Zeit bedeckte der herumspritzende Schlamm auch ein breites Band auf beiden Seiten der Abfahrt. Wie wir schon in Fort William lernen mussten, kann das Schicksal grausam sein: Bei seiner fünften Trainings-Abfahrt verlor Ryan im steilsten Waldstück seine Linie und kam äußerst unsanft an einem Baum zu stehen. Er wusste sofort, dass etwas gebrochen war, als sich sein Arm automatisch in eine Ruhestellung bewegte.

Zu allem Überfluss passierte das ganze auch noch an seinem 19. Geburtstag. Zumindest hatte er so die einmalige Gelegenheit sich zur Feier des Tages mit der Zustimmung seines Vaters ordentlich wegzuschießen, mit kostenlosen “Drogen” vom Notarzt. Als der Krankenwagen ihn ins örtliche Krankenhaus brachte, hatte er ein breites Grinsen im Gesicht und konnte kaum noch geradeaus schauen. Sein Schlüsselbein hatte die gesamte Wucht des Aufpralls abbekommen und war in drei Teile gebrochen. Zum Glück ragte keins davon heraus . Trotzdem musste er - zurück im Vereinigten Königreich - operiert werden, damit alles wieder an der richtigen Stelle saß. Auch wenn er nie die Fassung verlor, war er natürlich am Boden zerstört. Aber wie auch bei seinem Teamkollegen Luke liegt seine ganze Karriere noch vor ihm. Wir wünschen dir die beste Genesung und können es kaum erwarten, dich und Roy in ein paar Wochen wieder bei den Rennen zu sehen!

Also waren es nur noch zwei.

Wie schon im letzten Rennbericht geschrieben, ist die Qualifikation im Grunde nicht weniger wichtig als der Finallauf, wenn man nicht zu den geschützten Fahrern gehört. Am Freitagmorgen war die Stimmung entsprechend etwas ernster, während wir uns auf den Start vorbereiteten. Inzwischen hatte der Regen aufgehört, aber die Strecke glich noch immer einem Kriegsgebiet. Und wie viele, darunter auch bekannte Namen, feststellen mussten, wird die Strecke nicht einfacher, wenn man sie im Rennmodus angeht - ohne eine Portion Glück ist ein perfekter Lauf schier nicht möglich.

Douglas versuchte sein Glück als erstes und endete mit einer Zeit von 4:07 auf einem sehr guten 14. Platz und damit im Finale. KJ war als zweites an der Reihe. Am dritten Split lag sie auf Platz 18, doch dann machte ihr ein Sturz in der steilen Waldsektion einen Strich durch die Rechnung. Zum Glück blieb sie unverletzt, allerdings waren ihre Bremshebel so verbogen, dass sie ihren Run abbrechen musste und abseits der Strecke in den Zielbereich rollte. Technisch gesehen war sie also die einzige Person, die sowohl die DH- als auch die XC-Strecke gefahren ist. Wer KJ kennt weiß, dass sie sich von einem Rückschlag wie diesem nicht unterkriegen lässt und so blieb sie trotzdem positiv gestimmt, stets fokussiert darauf wie sie die gesammelten Erfahrungen in eine bessere Performance bei den weiteren Worldcup-Stops umwandeln kann.

Am Samstag, der Tag der Rennens, war der Himmel klar - sogar in der Morgendämmerung. Aus irgendeinem Grund durften die Fahrer der “Junior Men”-Kategorie morgens als erste auf die Strecke. Trotz der frühen Stunde stürzte sich Douglas wie ein besessener in die so wichtigen letzten Trainings-Runs und opferte sogar einen Teil seiner Warm-Up-Routine, um noch eine weitere Abfahrt einschieben zu können. Während er sich dann in den Pits aufwärmte, machten wir ein letztes Mal sein Bike sauber und race-ready. Douglas ist der Jüngste im Team und obwohl er normalerweise viel Wert drauf legt, nicht als Jungchen abgestempelt zu werden, würde er wahrscheinlich zugegeben, dass er vor den Rennen noch ganz schön nervös ist. Das wichtigste ist also, ihm vor dem Start so gut es geht den Rücken freizuhalten und ihm dabei zu helfen, sich auf voll auf das Rennen zu fokussieren.

Ich finde es jedesmal absolut faszinierend, am Race Day zusammen mit den Fahrern oben am Start der Strecke zu sein. Hinter den Kulissen steckt bei allen Teams so viel Arbeit und Mühe, die diejenigen, die nur den Livestream verfolgen, nie zu Gesicht bekommen. Zu sehen, wie die Fahrer hochkonzentriert und motiviert aus dem Starthäuschen schießen, um all die Arbeit des Teams in ein gutes Ergebnis umzusetzen, wird für mich niemals langweilig.

Im krassen Gegensatz dazu steht dann die einsame Gondelfahrt zurück ins Tal: Die Augen kleben am Live-Timing und es ist jedesmal schier nicht auszuhalten, nicht genau verfolgen zu können, wie der Run für unsere Fahrer läuft und ob alles gut gegangen ist. Unten am Ziel wartete Douglas schon auf mich, den Helm noch auf dem Kopf, und erzählte, was alles passiert ist seit ich ihn oben am Start in die Strecke verabschiedet hab. Mit breitem schottischen Akzent berichtet er von einer wilden Fahrt. Ein Beinahe-Sturz, der seinem Lauf ein vorzeitiges Ende hätte bereiten können, führte dazu, dass er den größten Teil des Waldes ausgeklickt fahren musste. Zum Glück gelang es ihm kurz vor dem massiven Red-Bull-Gap noch, wieder einzuklicken.

Trotzdem belegte er am ende einen großartigen 13. Platz. Auch wenn es ihm, wie er selbst gerne zugibt, oft schwer fällt auch die positiven Abschnitte seines Runs zu würdigen statt sich nur auf die gemachten Fehler zu konzentrieren, gab es einen Erfolg zu vermelden, den selbst er nicht verneinen konnte: Er gewann die Top-Speed-Wertung und hatte an der Messstelle die gleiche Geschwindigkeit wie Jordan Williams, der später das Rennen gewann. Jetzt müssen wir ihn nur noch überzeugen, dass in jedem Abschnitt eine Geschwindigkeitsmessung steht und schon haben wir das nächste Rennen in der Tasche, oder?

Downhill-Racing ist immer eine Achterbahnfahrt voller Höhen und Tiefen - sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Die schiere Menge an Arbeit und Vorbereitung, die in den wenigen Minuten des Finallaufs steckt, ist jedes Mal aufs Neue verblüffend. Und deswegen sind wir auch unendlich stolz auf das gesamte Team von 555 Gravity Racing. Wir sind inzwischen wie eine kleine Familie zusammengewachsen und sind traurig, wenn Leute wie Luke und Ryan erstmal nicht mehr da sind. Doch der Worldcup-Zirkus zieht natürlich unbeeindruckt weiter und mit dem Rennen in Lenzerheide zeigt sich schon die nächste Achterbahnfahrt am Horizont. Wir haben Bock!

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